Bereits im Jahr 1996, bei der Gründung des Universitätslehrgangs „Internationales Projektmanagement“ (zusammen mit Prof. Ursula Schneider - Institut für Internationales Management, Karl-Franzens-Universität Graz) wird von uns eine spezielle Methode zur Wissensvermittlung gewählt, die wir ansatzweise bereits in anderen Lehrkontexten erfolgreich getestet hatten: Kleine Gruppen werden mit der Entwicklung konkreter Projektkonzepte beauftragt, die während dieses Prozesses mit theoretischen und praxisorientierten Inputs begleitend unterstützt werden. Ausgangspunkt der Entwicklung kann eine Frage, ein Problem, eine konkrete oder auch eine vage Idee sein. In vielen Schleifen entstehen Varianten, die getestet und wieder verworfen werden – bis eine akzeptable Lösung für die konkrete Weiterentwicklung ausgewählt werden kann. Das präsentierte Resultat ist dann meist nicht nur ein umfangreiches sondern auch ein bis ins Detail durchdachtes Konzept zur Verwirklichung/ Umsetzung der Idee. Dieser Prozess des Entwickelns zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Lehrgang - geprägt von vielen Präsentationen und Diskussionen über den Projektfortschritt.
Die Ergebnisse sind in der Regel so überzeugend, dass viele dieser Konzepte dann später ( auch kommerziell) erfolgreich umgesetzt werden.
Zur Entwicklung von Geschäftsmodellen
Diese Erfahrungen ermutigen uns in der Folge, den Projektentwicklungsprozess mit der Entwicklung von Geschäftsmodellen (Business Development) zu verbinden. Zusammen mit dem Institut für Wirtschaftspädagogik (Karl-Franzens-Universität Graz) entsteht so eine interfakultäre Lehrveranstaltung mit dem Titel „BusinessLab“.
Zweieinhalb Jahre entwickeln in diesem ersten BusinessLab Studentinnen und Studenten aus völlig unterschiedlichen Fachrichtungen - der Biologie bis zur Theologie – spannende Projektkonzepte und Businesspläne.
Keine(r) der StudentInnen verfügt über eine einschlägige Vorbildung oder bringt konkrete Ideen in den Lehrgang mit ein, d.h. selbst der Funke für die Projekt-Ideen wird im Lehrgang gezündet.
Die außergewöhnlichen Erfahrungen beim Entwickeln und die produktive Kritik der Gruppe spornen die StudentInnen zu besonderen Leistungen an (auch für sich selbst). Möglich wird dies nicht zuletzt durch ein spezifisches, spielerisch kreatives Milieu, das dieser Prozesse mit erzeugt.
Die Funktion des BusinessLab im Marktgeschehen
Zur gleichen Zeit forschen und entwickeln wir auch zum Thema „Business-Incubation-Modelle“ - im engeren Sinne „Brutkästen“ für Start-Ups. Mit folgendem Resultat: Incubation-Einrichtungen scheitern häufig wegen fehlender ausgereifter Ideen und Konzepte oder wegen mangelnder Professionalität der Business-Pläne. In diese strategische Lücke stößt das Konzept des BusinessLab vor.
Auf dem Arbeitsmarkt
Der Effekt von neuen erfolgreichen Unternehmungen für die Prosperität einer Volkswirtschaft ist evident. Das BusinessLab knüpft an diesen Teil der Wertschöpfungskette an.
Es vereint konkrete Entwicklung mit Qualifizierung – d.h. die TeilnehmerInnen gewinnen Erkenntnisse aus der unmittelbaren Erfahrung des eigenen Tuns, gekoppelt mit Anleitungen und Begleitung, Reflexion und vielfältigem Feedback.
2003 testen wir erstmals das BusinessLab im Rahmen eines Pilotprojekts der Arbeitsmarktverwaltung Steiermark mit höher qualifizierten Arbeitsuchenden. Die Herausforderung besteht oftmals darin, die TeilnehmerInnen zu überzeugen, dass es wichtig ist, nicht trotz sondern wegen Ihrer existenziell herausfordernden Situation, an eigenen konkreten Vorstellungen und Ideen für Ihre Zukunft zu arbeiten. Seit damals erstellen wir nun mit hochmotivierten Arbeitsuchenden“ Geschäftsmodelle und Businesspläne verschiedenster Art und unterstützen sie, wenn möglich auch bei der Umsetzung ihrer Pläne. Besonders erfolgreiche Success-Stories sind auf der Homepage des BusinessLab nachzulesen.
BusinessLab in Unternehmen
Im Zuge des BusinessLab Lehrgangs am Institut für Wirtschaftspädagogik, entsteht schließlich eine neue Variante des BusinessLab Konzepts: Einer der damaligen Teilnehmer, ein Geschäftsführer eines hochspezialisierten Softwarehauses, will im Anschluss an die Vorlesung diese Art des Entwickelns und des Trainings für sein Unternehmen nutzen. So kommt es im Jahr 2002 zum ersten „Inhouse-BusinessLab“ , dessen Erfolgsgeschichte bis heute andauert. Mittlerweile wirkt das Lab-Konzept in diesem Unternehmen als "Motor" eines permanenten Erneuerungsprozesses.
Weiterentwicklung des BusinessLab Konzepts
Die Erfahrungen der letzten Zeit haben gezeigt, dass es immer mehr Höherqualifizierte gibt, die eine Entwicklung zum Ein-Personen-Unternehmens (EPU) als Alternative zu unselbständiger Arbeit erwägen. Für diese Gruppe der „potentiellen EinzelgründerInnen“ entsteht im Jahr 2005 - auf Anregung des AMS Wien - der eigenständige Lehrgang „PersonalLab“. Auch dieses Programm basiert auf den Erkenntnissen und Lehr-Methoden des BusinessLab, es werden jedoch die Konzepte nicht von Teams, sondern von Einzelpersonen entwickelt. Jedoch spielt auch hier die Gesamtgruppe des jeweiligen Lehrganges eine entscheidende Rolle im Entwicklungsprozess.
Derzeit werden ThemenLabs entwickelt, welche die vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten von Menschen, Gruppen, Organisationen, Institutionen und Unternehmen widerspiegeln und auch unserem Unternehmen erneut eine veränderte Struktur geben – ganz im Sinne von Lab in Progress…..