Volles Haus bei unserem 1. Business Talk
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Die Bandbreite erstreckt sich von Fragen nach dem Unterschied von möglichen und realen Räumen, bis hin zu Erörterungen über das Neue selbst, das in Möglichkeitsräumen bis zu seiner Erkundung verborgen bleibt.
Doch was ergeben sich für Konsequenzen, wenn Unternehmen sich auf die Rolle eines Kundschafters einlassen und wieviel bleibt von der Basis übrig, wenn Altbekanntes sich in Neuland verwandelt?
" Verstehen sich Organisationen und Unternehmen als Kundschafter, so ändert sich freilich ihr Selbstbild und damit wohl auch ihre Vorgehensweise. An die Stelle der technisch betriebswirtschaftlichen Ablaufbewältigung tritt die spielerisch konzeptive Zukunftsgestaltung, die andere Strategien und Maßnahmen erfordert als eine an der klassischen Betriebswirtschaftslehre ausgerichtete Unternehmensphilosophie. Wie kann nun aber diese spielerisch-konzeptive Zukunftsgestaltung im Detail aussehen? Die Projekt-Kultur, die viele Unternehmen entwickelt haben, ist wohl eine Antwort auf diese Frage. Wie könnten andere aussehen? Welche weiteren Spielräume erschließen Möglichkeitsräume, um es so zu formulieren?"
"Im Sinne des eben Gesagten ist der Möglichkeitsraum ganz klar als jene Struktur zu verstehen, aus der nicht nur die Unternehmen ihr Humankapital, ihr Wissen, ihre materiellen und symbolischen Ressourcen beziehen, sondern der allgemeine Raum menschlichen Handelns und Interagierens, der sich auf verschiedenste Weise konkretisiert. Es geht also darum, die eigene Struktur zu öffnen, die Auflösung gegebener, fester Identitäten weniger als Bedrohung denn als Chance wahrzunehmen. Die Projektkultur ist einerseits eine Form der Dynamisierung des Inneren, andererseits ein Instrument der Steuerung der Beziehung zum Außen, zu Kooperationspartnern, anderen Firmen, zur Konkurrenz, zu den Institutionen und den Kunden. Allerdings fällt der Projekt-Geist nicht vom Himmel, und hier scheint mir der entscheidende Punkt zu sein: Es gilt, sich für die Veränderungen in der Gesellschaft, aus denen die Unternehmen Nutzen ziehen, erkenntlich zu zeigen. Einer der bedeutendsten Theoretiker der New Economy, Robert Reich, erwiderte in einem Interview auf die Frage, worauf die Unternehmen in Zukunft das größte Augenmerk legen sollten: auf die Förderung des relationalen Kapitals der Mitarbeiter. In dieses, so kritisiert er, werde viel zu wenig investiert. Wir haben hier also eine paradoxe Entwicklung: Einerseits feiern wir die Offenheit der Strukturen und begreifen, dass das Subjekt der Moderne und der Postmoderne nichts anderes ist als die Möglichkeit von Beziehungen, als jenes produktive Vermögen, das Beziehungen hervorbringt und daraus Wissen, Erfahrungen, praktische Kompetenzen, technischen und gesellschaftlichen Fortschritt entwickelt. Andererseits scheint es, als müsste gerade dieses Subjekt immer mehr ausgedünnt werden, immer mehr der Spaltung von Möglichkeit und Wirklichkeit ausgesetzt werden. Es soll sich möglichst selbst alle Kompetenzen verschaffen, sie entwickeln und möglichst günstig liefern. Erst, wenn es wirklich unter Beweis stellt, dass es für alles selbst sorgen kann, wird es zum „gleichberechtigten“ Partner. Zu diesem Zeitpunkt ist aber die wesentliche Arbeit schon geleistet. Subjekte, die durch diesen Prozess gehen, können darauf nur mit Frustration reagieren, weil so ihre Anstrengungen nicht genügend ernst genommen werden. Eigentlich sollte es umgekehrt sein. Diesem Subjekt, dem Subjekt der Arbeit, sollten ohne existenziellen Druck alle Möglichkeiten gegeben werden, frei tätig zu werden, seine Bedingungen selbst zu bestimmen. Das ist eine völlig andere Vorstellung von Autonomie, von Selbständigkeit. Es geht um etwas, was ich die symbolische Supply Chain nenne, also nicht ein Fließband der Ideen, die unter möglichst gleichförmigen und kostengünstigen Bedingungen produziert werden, sondern um die Ermöglichung der Diversität, von Beziehungen zwischen Verschiedenem. Nur so werden verantwortlich handelnde Subjekte entstehen."
Die gesamte Nachlese ist hier als PDF-Datei zum Download bereitgestellt.